Weinwanderungen im Wallis

Erleben

Weinwanderungen im Wallis: auf Erkundungstour durch die Rebberge

Einleitung

Das Wallis ist zunächst eine Landschaft. Sich terrassenförmig an Berghängen emporziehende Rebanlagen, die darunter schlangenförmig entlangfliessende Rhone und die verschneiten Berggipfel im Hintergrund prägen hier das Landschaftsbild. Geniessen kann man dieses herrliche Panorama von der Strasse oder von der Terrasse eines Cafés aus. Um das alles tatsächlich zu begreifen, sollte man den Weinbergen unbedingt einen Besuch abstatten.

Hier wird alles greif- und fühlbar: Man erfährt, weshalb die Petite Arvine in Fully wächst, warum der Heida auf 1150 Metern Höhe gedeiht und wieso jede einzelne Parzelle ihre ureigene Geschichte hat. Und hinter einer Wegbiegung klopft man dann an die Tür einer Kellerei oder macht Halt in einem der «Guérite» genannten Rebhäuschen und blickt fasziniert ins Tal.


© Gianluca Colla

Wir haben fünf über den ganzen Kanton verteilte Routen ausgewählt, vom Oberwallis bis ins Unterwallis. Das sind definitiv fünf gute Gründe, um sich auf den Weg zu machen.

 

Weshalb sollte man überhaupt durch die Walliser Rebberge spazieren?

Eine weltweit einzigartige Landschaft

Die Walliser Weinlandschaft ist eine der beeindruckendsten in ganz Europa. In den Fels gehauene Weinterrassen, seit Jahrhunderten von Hand gebaute Trockensteinmauern und sich an ultrasteile Hänge klammernde Parzellen: All das kann man erst richtig geniessen, wenn man es selbst durchwandert. Hier reihen sich das Rhonetal, die Burgen von Sitten (Sion) und die Gletscher mit ihren bis auf 4000 Meter reichenden Gipfeln wie Perlen aneinander und eröffnen völlig neue Perspektiven.

Ein anderes Verständnis von Terroir

Beim Durchqueren der Rebanlagen zu Fuss lernt man auch, einen Wein auf andere Weise zu lesen. Warum verleiht ein Kalkboden in Salgesch den Pinots Noirs eine derartige Raffinesse? Warum können die an den komplett Richtung Süden ausgerichteten Weinterrassen von Martigny wachsenden Trauben weitaus besser reifen als irgendwo anders? Antworten auf all diese Fragen findet man an Ort und Stelle und nicht auf Weinetiketten.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten für eine Weinwanderung?

In den Walliser Rebbergen hat jede Jahreszeit ihren besonderen Reiz:

> Im Frühjahr (April–Mai): Die Reben treiben aus, die Landschaften sind in ein besonderes Licht getaucht und die Temperaturen sind noch mild. Ein idealer Zeitpunkt für eine erste Erkundungstour ganz ohne Gedränge.

> Im Sommer (Juni–August): Man freut sich über die Schatten spendenden Rebstock-Spaliere. Am besten macht man sich frühmorgens auf den Weg und vermeidet die heissesten Stunden des Tages.

> Im Herbst (September–Oktober): Die Weinlese ist in vollem Gange, die Reben färben sich in Rot und Gold, die Kellereien öffnen ihre Türen. Die lebendigste Zeit des Jahres.

> Im Winter (November–März): Die Rebberge machen Pause und gehen in den Winterschlaf. Bestimmte Wege sind immer noch begehbar und bieten ungewöhnliche, beinahe meditative Ruhe.

 

Fünf Weinwege im Wallis zum Entdecken

Oberwallis: Der Heidaweg von Visperterminen (Visp → Visperterminen)


© Valais Wallis Promotion

Strecke: ~7,9 km — Höhenunterschied: +500 m — Dauer: ~3 Std. — Schwierigkeitsgrad: mittel

Der Heidaweg zählt zu den faszinierendsten Weinwanderungen der Schweiz. Er verläuft zwischen Visp und Visperterminen und passiert dabei die höchstgelegenen Weinberge Europas, die auf Höhen zwischen 650 und 1150 Metern angesiedelt sind. Die Wanderung beginnt in Visp und führt durch die engen Gassen der Altstadt, bevor man nach und nach entlang der im Laufe der Jahrhunderte von Hand aus Trockensteinmauern angelegten, kilometerlangen Rebterrassen aufsteigt.

Die Top-Rebsorte hier ist Heida: Es handelt sich um einen seltenen Savagnin Blanc mit seinem Aroma von Nüssen, Honig und exotischen Früchten, der vorwiegend in der der Kellerei der Winzergenossenschaft St. Jodern verarbeitet wird. Nahezu 500 Hobbywinzer:innen, die sogenannten «Viticulteurs du Samedi» bewirtschaften Kleinparzellen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Kellerei kann unterwegs inklusive Degustation besichtigt werden. Ausserdem laden mehrere Restaurants entlang der Strecke zur Stärkung ein, und das mit den 4000er-Gipfeln des Oberwallis im Hintergrund.

 

Mittelwallis: Rebweg zwischen Salgesch und Siders


© Valais Wallis Promotion

Strecke: ~6 km — Höhenunterschied: gering — Dauer: ~2 Std. — Schwierigkeitsgrad: leicht

Zwischen Salgesch und Siders, das auch als «Hauptstadt des Schweizer Weins» bezeichnet wird, verläuft dieser Weg, der zu den am besten ausgebauten des gesamten Kantons zählt. Hier wandert man durch Rebberge und Weindörfer, während auf 80 Infotafeln entlang der Strecke auf unterhaltsam-ansprechende Weise Wissenswertes über die Walliser Weinbaugeschichte erfahren werden kann.

Los geht‘s in Salgesch, einer der bedeutendsten Weinbaugemeinden des Oberwallis, mit ihrer Rebfläche von über 200 Hektar, die zu 87% mit roten Rebsorten bepflanzt sind. Der Weg führt über die Raspille-Schlucht, das Dorf Veyras (zeitweiliger Wohnort von Rainer Maria Rilke) und die Parzelle «Chivirau», auf der die ganze Vielfalt der Walliser Weine an einem einzigen Ort vereint ist, was ein ganz besonderes Highlight darstellt. Die Strecke verbindet die beiden Standorte des Walliser Weinmuseums, was bedeutet, dass es hier zahlreiche Gründe gibt, eine Pause einzulegen.

 

Mittelwallis: Die Suone von Clavau (Sitten → St-Léonard)


© Valais Wallis Promotion

Strecke: ~8 km — Höhenunterschied: +223 m — Dauer: ~2 Std. – 2,30 Std. — Schwierigkeitsgrad: moderat

Die «Bisse de Clavau» ist vermutlich der bekannteste Weinweg des Wallis, und das mit Recht. Dieser im 15. Jahrhundert erbaute Bewässerungskanal zieht sich in Kurven durch extrem steile Rebterrassen und man geniesst den Panoramablick auf über Sitten thronenden Wahrzeichen, das Schloss Tourbillon und die Stiftskirche von Valère. Die Trockensteinmauern, von denen der steile Hang gestützt wird, gehören zu den höchsten mörtellosen Steinmauern in Europa, von denen manche bis zu acht Meter emporragen.

Start der Wanderung ist am Bahnhof in Sitten. Der Weg führt durch die Altstadt hinauf zur Bisse und entlang des Wasserlaufs weiter nach St-Léonard. Unterwegs laden umgebaute Rebhäuschen mit ihren Terrassen zum Verweilen und zur Stärkung im Schatten der Reben ein. Ein kurzer Abschnitt führt durch einen kleinen Tunnel: Bitte Taschenlampe mitnehmen. Besonders Tatkräftigen bietet sich zum Tagesausklang die Gelegenheit zum Besuch von Europas grösstem unterirdischen und schiffbaren See, den man von St-Léonard aus erkunden kann.

 

Unterwallis: Lehrpfad rund um Rebstöcke und Rebhäuschen (Fully)


© Valais Wallis Promotion

Strecke: ~4,3 km — Höhenunterschied: +192 m / -192 m — Dauer: ~1,30 Std. — Schwierigkeitsgrad: leicht

Fully ist die Heimat der Petite Arvine: Diese weisse Rebsorte mit ihren Noten von Zitrusfrüchten und weissen Blüten ist geprägt von einem typischen Salzton, der diesen Wein so unverwechselbar macht. Vor diesem Hintergrund verläuft der kurze, aber dennoch sehr gut ausgebaute Pfad.

Ausgangspunkt der Route ist die Rhonebrücke in Branson. Weiter geht es durch die Rebberge oberhalb des Ortes, vorbei an den Weilern La Fontaine, Châtaignier, Saxé und Mazembroz. Auf den Schildern entlang des Weges finden sich Erläuterungen zur Entwicklung der Reben im Lauf der Jahreszeiten. Die als «Guérites» bezeichneten kleinen Häuschen, die den Winzer:innen während der Arbeit als Unterschlupf dienen, befinden sich entlang der Strecke und rufen in Erinnerung, dass jeder Meter Rebberg hier von Hand bewirtschaftet wird. Der Ausblick auf die Rhoneebene eröffnet sich Wanderer:innen nahezu auf der gesamten Strecke.

Unterwallis: Rebterrassenwanderung in Martigny


©
Valais Wallis Promotion

Strecke: Rundweg ~1,45 Std. — Höhenunterschied: moderat — Schwierigkeitsgrad: leicht

Schon vom Bahnhof in Martigny aus sind die Rebterrassen, die sich oberhalb der Stadt ausbreiten, mit freiem Auge sichtbar. Diese kurze Rundwanderung ist ein geeignetes Eintrittsstor ins Weinanbaugebiet Unterwallis, und das so gut wie das ganze Jahr hindurch.

Unterwegs kommen Sie am mittelalterlichen Schloss Batiaz vorbei. Vom Schlossturm aus hat man einen kompletten Rundumblick auf die Stadt und das Tal, bevor man das Weindorf Plan Cerisier mit seinen Holzchalets und dem kleinsten Museum der Schweiz erreicht. Als Begleitung entlang der Strecke fungieren Infotafeln über den Weinbau. Und falls Sie sich fragen, weshalb die Terrassen hier so schmal und steil sind, ist die Antwort ganz einfach: Sie werden komplett von Hand bewirtschaftet. Diese Tatsache verändert die Sicht auf jede einzelne Flasche.

 

Wandern und verkosten: So gelingt die perfekte Genusskombi

Einkehr in einer Kellerei oder Vinothek

Die meisten Walliser Rebwege führen an wochentags und samstagvormittags geöffneten Weinkellern vorbei. Manche davon kann man ohne Terminvereinbarung besuchen, während andere die vorherige Kontaktaufnahme wünschen.

Picknick inmitten der Reben

Eine Flasche regionaler Wein, Roggenbrot, ein Stück Raclettekäse oder Trockenfleisch: Besser kann es einem bei einer Pause unterwegs nicht gehen. Auf dem Suonenweg Bisse de Clavau werden einige der Guérites als Terrassen im Freien betrieben, wo man auch verköstigt wird. Eine angenehme Möglichkeit, wenn man nicht unnötig Proviant mit sich führen will.

 

Praktische Tipps

Empfohlene Ausrüstung

Die Walliser Rebwege sind generell gut ausgeschildert und auch ohne besondere Ausrüstung begehbar. Nachfolgend dennoch ein paar unentbehrliche Hinweise:

Schuhwerk: Empfehlenswert sind Wanderschuhe mit griffigen Sohlen, da bestimmte Abschnitte entlang der Terrassen steinig oder abschüssig sind.

Wasser: Die Rebwege sind oft der prallen Sonne ausgesetzt, weshalb Sie vor allem in den Sommermonaten ausreichend Trinkwasser mit sich führen sollten.

Sonnenschutz: Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme sind bei sommerlichen Wanderungen in den Rebbergen unverzichtbar.

Rucksack: Ein Rucksack von Swiss Wine Valais ist ein praktisches Leichtgewicht und eignet sich hervorragend zum Transport von Wasser, Verpflegung und einigen Weinflaschen, die Sie vielleicht bei den Degustationen unterwegs mitnehmen möchten.


Sac à dos Swiss Wine Valais - © Sedrik Nemeth

Fazit

Rebwanderungen durch die Walliser Weinlandschaft schenken eine andere Sicht auf den Wein. Hinter jeder einzelnen Flasche Petite Arvine, Heida oder Pinot Noir verbergen sich schwindelerregende Abhänge, Stein für Stein von Hand errichtete Mauern und seit dem Mittelaltern die Berghänge durchziehende Suonen. Beim Durchwandern der Rebberge entstehen die passenden Bilder dazu.

Ob Sie nun allein, als Paar oder mit der Familie losgehen, die Walliser Rebberge erkunet man am besten zu Fuss. Und wenn Sie auf der Strecke einmal durstig werden, was durchaus der Fall sein wird, dann haben Sie auch guten Grund an die Tür der nächstgelegenen Weinkellerei zu klopfen. Zum Wohl!

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Ihr Degustationsprofil

Haben Sie manchmal Mühe, Ihr Geschmack und Ihre Vorlieben in Sachen Wein in Worte zu fassen. Mit diesem Tool werdet ihr ein ganz persönliches Degustationsprofil erstellen und den passenden Walliser Wein wählen.

Aprikose, Zitrus-, exotische Früchte, rote Beeren, Mandeln usw.Fruchtig

Veilchen, Holunder, Linde, Rose usw.Floral

geringer Alkoholgehalt, wenig TannineLeicht

Mittelkräftig

Alkohol, Säure und intensive AromenKräftig

von Säure dominiert, die ihm ein frisches Aussehen verleihtLebendig

Mässig lebendig

ohne Säure, rund, weichZart

ohne RestzuckerTrocken

Mittelfüllig

weich, fleischigFüllig

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